
Um die politisch gesetzten Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, muss der Verkehrssektor seinen Beitrag zur Defossilisierung leisten. Laut Umweltbundesamt sinken die Emissionen seit 1990 stetig. Der Anteil der Emissionen im Verkehrssektor bewegt sich dabei immer zwischen 15 und 20 %. Nicht alle Verkehrssektoren lassen sich einfach elektrifizieren. Gerade Luft- und Schifffahrt sowie Teile des schweren Straßengüterverkehrs stellen durch das Bedienen von langen Distanzen und schweren Lasten große Herausforderungen dar. Hier bieten erneuerbare Kraftstoffe eine sinnvolle Ergänzung zur E-Mobilität um mittel- bis langfristig Treibhausgasemissionen zu senken. Erneuerbare Kraftstoffe, die in der Luftfahrt eingesetzt werden, werden auch Sustainable Aviation Fuels (SAF) genannt. Derzeit am Markt verfügbares SAF beruht auf biogenen Ausgangsquellen. Eine Kombination aus begrenzten Mengen und zunehmendem Bedarf in anderen Sektoren wie der Chemieindustrie führt dazu, dass langfristig auch strombasiertes SAF (eSAF) benötigt wird. eSAF wird aus erneuerbarem Strom, grünem Wasserstoff und nachhaltigem CO2 hergestellt.
Die technischen Verfahren zur Herstellung von eSAF sind grundsätzlich erforscht, jedoch steht deren Demonstration in einer vollständig integrierten Prozesskette im industriellen Maßstab noch aus. Momentan wird der Markthochlauf von eSAF vor allem durch seine hohen Produktionskosten gehemmt, die ein Vielfaches der Produktionskosten von fossilen Kraftstoffen betragen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Produktionskosten mit zunehmender Marktetablierung stark sinken werden, was die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von eSAF steigern wird. Allerdings führt diese erwartete Kostendegression auch dazu, dass Investitionen strategisch zurückgehalten werden. Darüber hinaus besteht eine strukturelle Fehlpassung zwischen dem Bedürfnis der Produzenten nach Planungssicherheit durch langfristige Abnahmeverträge und dem Bedürfnis der Abnehmer nach Flexibilität über kurzfristigen Einkauf der benötigten Treibstoffmengen. Die Fördermaßnahme „Markthochlauf von strombasiertem Kerosin“ soll diese Hemmnisse adressieren.
Die geplante eSAF-Förderung der Bundesregierung sieht einen Doppelauktionsmechanismus nach dem Vorbild von H2Global vor. Dabei erfolgen jeweils auf Lieferseite und Abnahmeseite Auktionen, die durch einen Intermediär durchgeführt werden. Die Produzenten mit dem günstigsten Angebot und die Abnehmer mit dem höchsten Angebot erhalten jeweils die Zuschläge. Der Intermediär schließt mit eSAF-Produzenten langfristige Abnahme-Verträge (Purchase Agreements; PAs), welche über zehn Jahre laufen, um den Produzenten Planungssicherheit zu geben und das Investitionsrisiko zu minimieren. Das erworbene eSAF wird an Abnehmer (bspw. Airlines) über Verkaufsvereinbarungen (Selling Agreements; SAs) weiterverkauft. Die SAs laufen über einen kurzen Zeitraum (bspw. ein Jahr). Trotz optimaler An- und Verkaufspreise durch den Intermediär wird aufgrund der hohen Anfangskosten ein Verkauf von eSAF unter Einkaufspreis erwartet. Diese Differenz will das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit der Fördermaßnahme „Markthochlauf von strombasiertem Kerosin“ ausgleichen. Deutschland plant die Förderung gemeinsam mit Österreich und Luxemburg umzusetzen.
Die Fördersumme des BMV beträgt 2 Mrd. Euro, Österreich und Luxemburg stellen jeweils bis zu 60 Mio. Euro bereit. Die Förderung steht für den Lieferzeitraum 2030 bis 2039 zur Verfügung. Das Förderprogramm konzentriert sich auf strombasierte nachhaltige Flugkraftstoffe, die ASTM-zertifiziert sind und die RFNBO-Kriterien der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien erfüllen. Förderfähig ist ausschließlich innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums produziertes eSAF. Bei einem angenommenen Preis von 7.520 Euro pro Tonne und 10 Jahren Laufzeit könnten rund 266.000 Tonnen eSAF gefördert werden. Dadurch würde eine Treibhausgasminderung von mindestens 586.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten erzielt, basierend auf einer Emissionsreduktion von mindestens 70 % gegenüber fossilem Kerosin.
Das BMV veröffentlichte im September 2026 die Ergebnisse der zur Fördermaßnahme durchgeführten Marktkonsultation. Unternehmen und weitere Interessensgruppen waren im Mai und Juni 2026 eingeladen, ihre Blickwinkel und Erfahrungen einzubringen. 72 Akteure nahmen das Angebot wahr.
Die Ergebnisse der Marktkonsultation finden Sie hier: Ergebnisse der Marktkonsultation
Die Webseite Gesamtkonzept Erneuerbare Kraftstoffe ist ein Projekt der NOW GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr (BMV).